22. Oktober 2011 von admin
40 Prozent der Asylsuchenden in der Schweiz tauchen unter. Das sind jährlich bis zu 9000 Menschen. Einer davon ist Alwin.
Draussen scheint noch die Sonne, es ist ein warmer Abend im Mai, Alwin hat die Fensterläden zugeklappt, die Vorhänge gezogen, die Haustür zugesperrt. Seit heute Morgen hat er eine Schachtel Marlboros geraucht. Er hat 100 Mal den Weg von der Küche zum Sofa zurückgelegt, vielleicht auch 200 Mal. Jetzt sitzt er auf dem Sofa und wartet. Auf den Tag, an dem er diesen Raum ohne Angst vor einer Abschiebung verlassen kann…
Weiterlesen hier: Alwin ist verschwunden
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27. September 2009 von admin
Wir sehen die Dinge wie wir wollen. Und das geht so: Mit Hanif zum Busbahnhof, Hanif ist Taxifahrer, gross, breit. Er hat zwei Frauen und zwölf Söhne, in der Schule war er nie, lesen und schreiben kann er nicht, aber Englisch, das schon. Seine zweite Frau hat es ihm beigebracht, die war auf einer chinesischen Schule. Die ist schlau, sagt er.
Ich frage ihn, ob das nicht manchmal schwierig ist, so durch die Gegend zu kurven, ohne die Schilder lesen zu können. Nein, kein Problem, er ist hier aufgewachsen, die Schilder braucht er nicht, er kennt eh jeden Winkel. Und wie ist das mit den beiden Frauen, gibt das kein ewiges Gezanke? Nee, alles läuft rund im Leben. Weiterlesen »
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19. September 2009 von admin
Ich dachte immer, der ultimative Horror für jeden Reisenden ist ein argentinischer Sonntag, wenn die ganze Bevölkerung den Hosenboden über die Kirchenbänke scheuert und es nichts zu tun, nichts zu erleben gibt. Jetzt merke ich, dass Malaysia während dem Ramadan ebenso ausgestorben und fade ist. Nur dauert die Langeweile nicht einen Tag, sondern einen Monat. Dieser Monat ist aber bald vorüber, das grosse Fest Hari Raya Puasa naht, die Familien kommen zusammen, es wird gefeiert. Mit anderen Worten: Die Strassen sind leer, und die Busse ebenfalls. Ich bin der einzige Passagier. Der Chauffeur meint es gut mit mir, legt einen Film ein, damit es nicht allzu langweilig wird. Er selber hat einen kleinen Monitor, auf den er auch ab und zu ein Auge werfen kann. Weiterlesen »
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16. September 2009 von admin
Je näher wir Surat Thani kommen desto leerer wird der Bus, irgendwann bin ich der letzte Passagier, muss aussteigen. Es ist stockfinster. Hier und da sieht man Häuser, Mauern, Treppen, geschlossene Läden. Ich treffe Herrn Jindaluang, er steht an der Strasse neben seinem Wagen. Er sagt, er sei Taxifahrer. Was er hier aber genau tut ist mir ein Rätsel, denn keine Menschenseele weit und breit in dieser düsteren Gasse.
Ich steige ein, wir düsen los. Herr Jindaluang sagt, wir müssen in „ein anderes Dorf” fahren, dort ist der Bahnhof. Sind wir hier in Surat Thani? Nein, auch hier „ein anderes Dorf”. Und woher kommt er? Wieder aus „einem anderen Dorf”. Aber weit weg von hier, ganz im Norden. Es gibt dort dreitausend Elefanten, für jeden Einwohner einen. Es war zu eng da, Herr Jindaluang musste weg. Und kam vor Jahren hierher. Jetzt hat er Frau und Kinder und fühlt sich hier zuhause. Weiterlesen »
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10. September 2009 von admin
Ich steige in den Zug, beim Eingang sitzt ein Mann Anfang fünfzig, mein Frühwarnsystem blinkt, ich gehe weiter. Dann schaue ich auf die Sitzplatznummer auf meinen Ticket und muss wieder zurück. Mein Sitz ist gegenüber dem seltsamen Mann.
Er hat einen ausgesprochen abneigenden Gesichtsausdruck, die Augen sind starr, sein Gesicht grau und aufgedunsen, er sieht krank aus. Die Hose ist im Schritt gelb verfärb. Eine modrige Geruchswolke umgibt ihn wie ein böses Omen.
Wie immer in solchen Situationen, gebe ihm das Gefühl auf ihn gewartet zu haben, plaudere drauflos. Aber er reagiert nicht. Seine Augen sind wie die gelöschten Lichter eines Wagens in der Dunkelheit. Weiterlesen »
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