Die Insel, wo die Menschen vergessen zu sterben

Auf Ikaria in Griechenland leben die Menschen länger als anderswo in Europa. Woran liegt das?

Am östlichen Rand Europas liegt eine Insel, auf der die Menschen sehr alt werden. Ich fahre dorthin, weil ich sehen will, was für ein Leben die Menschen führen. Auf dem Schiff sitzt ein alter Mann an einem Kaffeetisch, ein Heft mit Kreuzworträtseln vor sich. Er trägt eine Sonnenbrille, einen abgewetzten schwarzen Kittel und eine staubige Mütze. Manchmal döst er, und manchmal schreibt er Buchstaben in die Quadrate, und einmal pro Stunde steht er auf, um auf dem offenen Deck eine Zigarette zu rauchen. Als wir auf der Insel angekommen sind, geht er die Mole entlang, setzt sich in einen weissen Fiat und fährt davon. Ich schätze ihn auf etwa achtzig Jahre.

Evdilos, der Hafen von Ikaria – eine Reihe von weissen Häusern, die in einem Halbkreis um türkisfarbenes Wasser herumstehen. Im Wasser schaukeln drei Fischerboote auf und ab. Es ist vier Uhr am Nachmittag. Ein Erpel schnattert. Magere Katzen gehen lautlos vorbei. In einem Café sitzen junge Männer im Schatten, lassen Würfel in einen hölzernen Kasten hüpfen und trinken Bier. Das Klacken der Würfel liegt über allem. Die Kellnerin zeigt auf meine Uhr und sagt, ich sei wohl nicht von hier – hier trage niemand eine Uhr.

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